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Mein Osterstrauß

Dieses Jahr will ich zum ersten Mal einen Strauß aussuchen, der zu mir und meiner Welt passt, das habe ich noch nie versucht. Sonst war immer ausschlaggebend, was "man" eben so nimmt.
Als ich losziehe, um Zweige zu holen, erinnere ich mich an den Frühling im Wald und mir kommen besonders die Buchen in den Sinn, die immer wenn sie ihre Blättchen öffnen, mit diesen hellen Punkten plötzlich herausstechen aus dem üblichen Gewirr von Flecken durch das alte Laub und Strichen, durch die noch kahlen Zweige der Laubbäume. Wenn sie so deutlich hervortreten, kann man erst ihre Größe und Form so richtig erfassen und ich freue mich jedes Jahr daran. Die Zweige zeigen dann ein fächerförmiges Bild und darunter kommt im Laufe des Jahres tiefer Schatten, weil sie das Licht auffangen. Auch im Herbst werden sie wieder deutlich werden, mit ganz hellen Blättern, doch momentan verbreiten sie ersteinmal gute Laune, mit den ersten Knospen, die ich zwar noch nicht sehe, doch spüre beim Abbrechen des Zweiges, den ich mir ausgesucht habe.
Seine Rinde ist glatt und metallisch glänzend, das wirkt kühl, doch der Farbton tut den Augen auf sanfte Weise wohl.
Dazu möchte ich einen Birkenzweig haben, denn deren Zweige sehen für mich eine schwarze Rinde und ich mag den Kontrast. Auch die Rinde dieses feinen Zweigleins glänzt und ich weiß, dass sie als erste die Blätter öffnen wird.
Eigentlich wollte ich noch eine Lärche mit ihren Blätterbüscheln dazu haben, weil ich mir das lustig vorstelle, doch diese Zweige sind zu hoch oben am Baum, sodass ich mich für einen Busch aus unserer Hecke entscheide. Es ist eine Weide, deren Triebe alle direkt aus der Wurzel kommen und die im Sommer ganz lange und schlanke Blätter hat. Der ganze Busch sieht wie eine Kugel aus und sticht von seiner Form und Art des Wachsens in die Augen.
Die Rinde der Weide ist matt und etwas rauh.
Im Haus erhält der Strauß einen Platz, der für mich nicht so günstig ist, denn der Hintergrund ist dunkles gemasertes Holz, doch ist er dort am Sichersten aufgehoben, ich würde ihn sonst leicht umstoßen, denn die feinen Zweigspitzen sind nur schwer vom Hintergrund zu trennen.
Schon nach einer Woche zeigen sich die Enden der Buchenzweige als helle Striche, die Knospen sind geschwollen und geben so dem Zweig eine deutliche Grenze. Die Birke hat bereits kleine Blättchen, die wie Kügelchen aus Krepppapier wirken und den Zweig wie eine Wolke umgeben, sodass man den Zweig beim flüchtigen Hinsehen gar nicht mehr bemerkt.
In wenigen Tagen will ich den Strauß dann österlich schmücken.